Eine Figur mit eigenem Stuhl
In vielen Praxen hat die große Menschenfigur einen Namen und einen festen Platz. Sie begrüßt das Kind an der Tür und verabschiedet sich am Ende der Stunde. Je nach Figur sieht sie aus wie ein Schulkind oder wie ein älterer Mensch. Deshalb passt sie ohne Umweg in Szenen aus dem Alltag: am Frühstückstisch, im Klassenzimmer, beim Besuch bei Oma und Opa.
Häufig traut sich die Figur als Erste, eine Sorge auszusprechen. Sie gibt zu, dass ihr vor dem Zahnarzt mulmig ist, oder sie will vom Kind wissen, wie es das an ihrer Stelle machen würde. Die Fachkraft muss dann nicht selbst nachfragen, sie hört zu. Bleibt es über Monate dieselbe Figur, fragt das Kind beim nächsten Termin manchmal von sich aus, wie es Mathilda beim Zahnarzt ergangen ist.
Einsatz in Praxis, Schule und Einrichtung
Logopädie
Bei fast allen Figuren dieser Größe ist die Zunge bespielbar, und das Kind kann genau hinsehen, wenn die Figur etwas vormacht. Sie zeigt, wo die Zungenspitze beim T anstößt, oder lässt die Zunge beim S zu weit herausrutschen und wartet darauf, dass jemand sie korrigiert. Manche Logopädinnen lassen das Kind der Figur ein schwieriges Wort beibringen, Silbe für Silbe.
Psychotherapie und Beratung
In der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und in der Erziehungsberatung spielt die Figur oft ein Kind, dem gerade etwas schwerfällt. Das Kind erklärt ihr, was sie tun könnte, und spricht dabei über eigene Erfahrungen, ohne dass jemand direkt danach gefragt hat. Mit zwei oder drei Figuren lassen sich Familienszenen stellen: Wer sitzt beim Abendessen am Kopfende, wer redet, wer schweigt? Großmutter und Großvater bringen die Generation dazu, die in vielen Familien mitentscheidet.
Für ältere Kinder wählen viele Fachkräfte eine Figur mit eigenem Hobby, etwa Katie Kickflip mit ihrer Skater-Kappe. Mit ihr lassen sich Streit in der Clique oder der Druck vor einer Klassenarbeit durchspielen, ohne dass die Szene nach Kindergarten aussieht.
Heilpädagogik, Ergotherapie und Förderschule
Die meisten Figuren dieser Größe kann man komplett ausziehen, bei einigen anderen zumindest einzelne Teile. Je nach Figur hat die Kleidung Klettverschlüsse, Reißverschlüsse oder Druckknöpfe. In der Ergotherapie öffnen und schließen Kinder diese Verschlüsse an der Figur und ziehen ihr die Sachen in der richtigen Reihenfolge an.
In der Förderschule begleitet eine Figur die Klasse durch die Woche. Montags fragt sie, was am Wochenende los war, und vor dem Ausflug erklärt sie, was in den Rucksack gehört. Steht ein Wechsel an, etwa eine neue Lehrkraft oder ein Umzug in ein anderes Klassenzimmer, erlebt die Figur ihn zuerst und spricht darüber, wie es ihr damit geht.
Seniorenarbeit
Für die Seniorenarbeit bieten sich die Großmutter mit Schürze und Brille und der Großvater mit Hut und Fliege an. Der Großvater will wissen, wer noch einen Kohleofen geheizt hat, die Großmutter erzählt vom Sonntagsbraten. Die Fachkraft führt die Figur, die Bewohnerinnen und Bewohner antworten und ergänzen. Oft genügt eine Figur für die ganze Runde: Zu ihrer Frage hat fast jede und jeder etwas zu erzählen. Bekommt die Figur einen festen Besuchstag, wird sie zu einem Gast, den die Runde schon kennt.
Fragen vor der Auswahl
- Welche Rolle soll die Figur spielen? Für Themen aus Kita und Schule passt ein Kind, zum Beispiel Mathilda, Marlon, Caro oder Peterchen. Geht es um mehrere Generationen, kommen Großmutter und Großvater dazu.
- Wie oft wird umgezogen? Wer Rollen wechseln möchte, wählt eine Figur, die sich komplett ausziehen lässt. Bei jeder Figur steht das in den Eigenschaften. Für diese Größe gibt es eigene Kleidung, vom Arztkittel bis zum Schlafanzug.
- Reicht eine Figur? Erst zwei Figuren machen Streit, Versöhnung und Geschwisterszenen spielbar. Ilselotte Keksberg und Peterchen, der ein Fanshirt von ihr trägt, geben so ein Paar ab.